„Unsere“ erste Einbecker Ausbildungsmesse
Messe - Jahrmarkt - Kompetenz
Messe - „Veranstaltung mit Marktcharakter, auf der Waren eines oder mehrerer Wirtschaftszweige (Fachmesse oder Allgemeine Messe) an besonderen Orten angeboten werden. Die Messen finden in regelmäßigem Turnus (z.B. Frühjahrs-M., Herbst-M.) statt und sind von regionaler, überregionaler, oft internationaler Bedeutung. Der Zutritt ist Fachbesuchern (...) vorbehalten; z.T. stehen die Messen auch einem allgemeinen Publikum zur Information offen." So ist es beispielsweise zu lesen in `Meyers Großes Taschenlexikon`, Band 14, 8. Auflage auf Seite 266.
Marktcharakter: Fahnen wehen im leichten Wind an den Masten vor dem neuen BBS-Gebäude (Haus 5), ein gigantisches Nutzfahrzeug des Technischen Hilfswerks zieht sofort deine Blicke auf sich, freundliche Sanitäter in ihren roten Overalls schlendern lächelnd an dir vorbei, eine Gruppe merkwürdig gekleideter, junger Leute kommt schweigend und verunsichernd nah auf dich zu: Gaukler? Maler, Senior und Seniorin, Bänker, Hauswirtschaftlerin, IT-Expertin, Pflegepersonal, Erzieher und Pflanzentechnologin. Sie stimmen dich ein auf Ausbildungszweige in den BBS Einbeck - ohne Worte! Junge Frauen in schwarz-gelben BBS-T-Shirts bieten auf ihren Wagen duftende Leckereien an, von überall her hörst du Musik, Ansagen, Ausrufer und Lautsprecherdurchsagen. Scouts in roten BBS-T-Shirts möchten dich und deine Klasse informieren und herumführen. Wo ist der Rest? Sind wir angemeldet oder spontan hier? Schüler und Schülerinnen schieben sich durch die Gänge in Haus vier und fünf und bevölkern auch die erste und zweite Ebene im Neubau. Bunte Plakate, lebendiges und geschäftiges Treiben in allen Räumen, viele wichtige Gesichter von Erwachsenen in Anzügen oder mit professionellen Namens- und Betriebsschildern, die du in der Stadt Einbeck, in der BBS Einbeck oder in deiner Schule schon einmal gesehen hast. Und wenn du von der anderen Seite kommst: Eine große Bühne, ein Truck der Bundeswehr, Zelte für Beköstigung und Musik, hier ein gigantisches Schweißmonster oder ein PolizeiKrad, die ebenfalls deine Blicke auf sich lenken und zum Informieren einladen. Marktcharakter!
Und welche „Waren" werden angeboten? Die für dich wichtigsten und entscheidensten überhaupt! Wissen, Bildung, Ausbildung, Job und Beruf - mit diesen „Wa-ren" kommst du voran in deinem Leben, kannst du auf eigenen Beinen stehen. Sie sind Grundlage, um leben zu können wie du es dir vielleicht erträumst. Du wirst mit deinen Qualifikationen - die du schon mitbringst und noch ausbauen kannst - gebraucht; um dich wird hier geworben. Du erhältst bei dieser Messe in den BBS Einbeck wertvolle Einblicke. Die Anbieter und Aussteller, vielleicht deine zukünftigen Ausbilder oder Arbeitgeber, bemühen sich um dich in einzigartigem Ausmaß und mit größtem Equipment und Engagement. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Einbeck hat für ihre erste Ausbildungsmesse alle Hebel für dich in Bewegung gesetzt.
So hat zum Beispiel ein großes Einbecker Unternehmen seine diesjährige Bewerbungsfrist kurzentschlossen bis auf Mitte Oktober verlängert. Und auch Renatus Döring (Schulleiter der BBS Einbeck), Ulrich Minkner (Bürgermeister der Stadt Einbeck) und Klaus-Dieter Gläser (Agentur für Arbeit, Göttingen) haben es auf den Punkt gebracht: Eine persönliche Kontaktaufnahme mit Vertretern und Vertreterinnen der für dich interessant erscheinenden Einrichtungen, Betriebe oder Unternehmen sei hier auf der Ausbildungsmesse spontan möglich, ja erwünscht. Du konntest dich informieren und Fragen stellen wie : „Welche Jobs werden eigentlich gebraucht?", „Welche Qualifikationen sind bei Ihnen erforderlich?" Du hast Einblicke in Arbeitsabläufe erhalten, konntest ausprobieren, aktiv sein, erproben, anfassen und testen. Alle, auch die vielen Sponsoren, hätten sich für dich „ins Zeug gelegt", kann Herr Döring bei der Eröffnung im Forum der BBS Einbeck feststellen.
Messen finden an einem besonderen Ort in regelmäßigem Turnus statt, erfährt man im Lexikon. Na klar, das passt. Die BBS Einbeck boten mit den Häusern vier und fünf, dem Außengelände, dem großen Parkplatz beste Rahmenbedingungen für die Ausbildungsmesse. Werkstätten und Pflegeräume konnten beispielsweise sinnvoll eingesetzt werden. Alle Klassenräume waren ausgebucht. Die Sporthalle lieferte nicht nur Abstellfläche, sondern bot den VIPS Rückzugsmöglichkeiten und Ruhe. Aber auch die Häuser eins, zwei und drei auf der anderen Straßenseite trugen nicht unerheblich zum Gelingen dieser Riesenveranstaltung bei, wurden hier im Vorfeld doch etliche Vorbereitungen und das umfangreiche Cateringangebot in Gang gebracht. Das Programm im Snoezelenraum ermöglichte eine einzigartige Entspannung, war attraktiver Anziehungspunkt und stets ausgebucht. Das Forum schließlich lieferte den ansprechenden Rahmen für alle offiziellen Programmpunkte, für Fachvorträge, ermöglichte Gespräche in lockerer Runde bei warmen und kalten Speisen und Getränken und stellte zentrale Ausstellungsfläche zur Verfügung.
Und wenn diese Messe `Erste Einbecker Ausbildungsmesse` heißt, wird eine zweite folgen und in regelmäßigem Turnus vielleicht weitere. An einzelnen Ständen wurde bereits prophezeit: „Im nächsten Jahr wird es noch mehr Aussteller geben."
Dass diese Ausbildungsmesse von regionaler Bedeutung war und ist, machte einerseits das große Interesse von Unternehmen, Betrieben und Einrichtungen an einem Ausstellungsplatz deutlich. Andererseits fühlte sich nicht nur die Zielgruppe, junge Menschen, die sich beruflich orientieren möchten, angesprochen. Denn neben den vielen Schülergrüppchen, kompletten Schulklassen, befreundeten Cliquen zeigten auch Einzelpersonen und nachmittags Eltern und deren Kinder ein reges Interesse. Und somit standen die Ausbildungsmesse und die Türen der BBS Einbeck selbstverständlich einem allgemeinen Publikum genauso offen wie den „Fachbesuchern" auf ihrer Orientierungsreise in die berufliche Zukunft. Auch überregional blieb die Ausbildungsmesse in den BBS Einbeck nicht unbekannt. Weitere Berufsschulen und Hochschulen, auch aus Cottbus, scheuten beispielsweise nicht die Anreise zu diesem Event. Von internationaler Bedeutung ist diese erste Messe vielleicht noch nicht. Aber wer weiß? Bei den letzten Besuchen der Hauswirtschafts-, Wirtschafts- und Pflegeklassen in unseren Partnerschulen in Schlochau/Polen wurde von den Gastgebern betont, dass Schülerinnen und Schüler der BBS Einbeck als Praktikantinnen und Praktikanten sehr erwünscht seien.
Während seiner Eröffnungsrede stellte unser Schulleiter Renatus Döring unter anderem fest, dass sich im Zusammenhang mit dieser ersten Ausbildungsmesse nicht nur die Sponsoren, sondern auch alle Ausbilder, Einrichtungen und Betriebe mächtig ins Zeug gelegt hätten. Sie alle hätten sich um die Auszubildenden „jugendgerecht verpackt" bemüht. Zusätzlich zum Tagesgeschäft sei ein professionelles Eventmanagement betrieben worden, was auch Klaus-Dieter Gläser (Agentur für Arbeit, Göttingen) hervorhob. Dies gilt natürlich ganz besonders für die BBS Einbeck. Während der Messeeröffnung gab es daher vom Schulleiter, von Bürgermeister Ulrich Minkner und weiteren Ehrengästen auch ein offizielles Dankeschön vor allem an das BBS-Kollegium, die Mitarbeiter, Hausmeister, an das Sekretariat, die Schülerschaft und an das Schulleitungsteam. Standfestigkeit, auf die Eberhard Schmah im Blick auf das umfassende Programm verwies, haben alle BBS-Beteiligten vor und hinter den Kulissen nicht nur am Tag der Ausbildungsmesse mit Sicherheit bewiesen.
In den Konferenzräumen und im Gartenbereich präsentierte sich die BBS Einbeck mit den Ständen aller vier Abteilungen und dem Info-Point, der rund um die Uhr durch Schülerinnen und Schüler, zeitweise erweitert durch Lehrkräfte, besetzt war. Hier gab es nicht nur frisch zubereitete Quarkspeise und Müsli-Riegel vom Beruflichen Gymnasium, sondern alle Infos und Hinweise rund um die BBS Einbeck bei der Ausbildungsmesse. Interaktiv gestaltet waren die einzelnen Stände, die alle Besucher/innen einluden aktiv zu sein. Passend zu einzelnen Ausbildungsprofilen und -inhalten gab es von der Abteilung Wirtschaft/Informatik zum Beispiel farbenfrohe Infos zum Schülerunternehmen „Die marktgerechte Jeans" und bei Interesse die persönliche Visitenkarte. Über Aktivität und `Begreifen` kam man schnell und geschickt ins Gespräch: Zukunft zum Greifen nah! Und dies war natürlich auch bei den anderen Abteilungen der BBS Einbeck so. Schülerinnen und Schüler der Abteilung Berufliches Gymnasium/Pflanzentechnologie gaben geduldig und kompetent Erläuterungen zur speicherprogrammierbaren Steuerung und nach Anleitung durften Interessierte an der Maschine Stempel drucken. Ein weiterer Anziehungspunkt war der Styropor-Flieger mit seiner computergesteuerten Tragflächengestaltung beim Stand der Abteilung Farbtechnik und Gestaltung. Und auch beim Stand der Abteilung Sozialpädagogik/Pflege/Hauswirtschaft kam moderne Technik zum Einsatz, indem individuelle Fotos mit ganz besonderem Aussehen, umrahmt von persönlichen Eigenschaften, nach Wunsch erstellt wurden. Aber auch über die Verzerrspiegel und ein Berufsfelder-Memorie kam man hier ins Gespräch.
Im Musikraum standen weitere Lehrkräfte der BBS Einbeck während der gesamten Messe bereit, um über die Berufsorientierung durch Kooperation zu informieren. Während der Bereich Wirtschaft über das Projekt „Marktforschung für Jeans und T-Shirts" informierte, konnten sich die Besucher/innen im Bereich Technik über das „Robbi-Projekt" belehren lassen, bei dem sich die Lehrkräfte der BBSII Northeim und der BBS Einbeck gegenseitig unterstützen. An verschiedenen Modellen, natürlich auch von dem Fahrzeug Robbi, konnten alle Interessierten die Funktionsweisen kennen lernen und selber zum Beispiel beim Robbi-Cup die Automobile ausprobieren. Der Bereich Pflege und Hauswirtschaft lud im Musikraum in eine gemütliche Sitz- und Ruhezone ein, um die Baby-Simulatoren vorzustellen, die unter anderem in dem BBS-Projekt „Babybedenkzeit" zum Einsatz kommen. Aber auch Messebesucher/innen fanden sich hier mit ihren eigenen Babies ein, um auszuruhen und Fachgespräche zu führen.
Entspannung während der gesamten Messezeit wurde vor allem aber im Snoezelen-Raum angeboten. Für jeweils 30 Minuten entführten Sabine Wolter-Fricke, Angelika Jäger oder Beate Rey Martinez die Ruhesuchenden und Neugierigen in die Welten „Märchenschloss", „Herbst" oder „Traumwelten".
Aber nicht nur das Lehrerkollegium als kompetenter orts- und programmkundiger Ansprechpartner war in wechselnden Schichten im Dauereinsatz, sondern auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler. So führten geschulte Scouts mit ihren roten T-Shirts durch die Gebäude und gaben unermüdlich Auskünfte. Alle Stände der BBS Einbeck wurden von engagierten Schülerinnen und Schülern der jeweiligen Abteilungen betreut. Walk-Acts und Einlagen bei der Eröffnung trugen zur Lebendigkeit der Messe bei. Selbst beim Sanitätsdienst rund um die Uhr waren BBS-Schülerinnen im Einsatz.
Besonderes leistete auch das Team Hauswirtschaft, um ein hervorragendes Catering zu ermöglichen. Bereits am Vortag wurde mit verschiedenen Klassen gebacken, gekocht und hergerichtet. Von morgens bis abends wurden Leckereien und Snacks in Haus 5 im Forum und im rollenden Service für Aussteller und Besucher angeboten. Und auch die VIPS wurden bestens versorgt.
Und was blieb dem Messebesucher verborgen? Schon Tage vor der Messe herrschte eine gewisse Hektik in der Schule. „Wo sind bloß die bunten Klebepunkte?" „Warum sind die Wände noch nicht leer?" „Wohin mit dem Mobiliar?" „Und wie kommen die VIPS in ihre Räume, wenn das Schloss nur von innen zu öffnen ist?" „Wann habe ich eigentlich welchen Einsatz?" Alle Klassen aus Haus 4 und 5 mussten am Donnerstag ebenfalls in den anderen Gebäuden beschult werden. In der Mediothek, im Sekretariat, bei den Hausmeistern und beim Schulassistenten überschlugen sich Anfragen, Bitten und Arbeitsaufträge. Neue T-Shirts wurden bedruckt und die Messe gab Anlass für Magnet-Namensschilder für das gesamte Kollegium. Und „nebenher" lief der ganz normale, reguläre Schulalltag!
Doch der Ausnahmezustand hat sich gelohnt!
Wir, die BBS Einbeck, wollten es wissen: Sind wir ein angemessener Ausrichter und Gastgeber für so eine Messe-Veranstaltung? Bestimmt - die vielen lobenden Stimmen bestätigen dies. Und weil wir (fürs Leben) lernen, nehmen wir auch Kritik gerne auf und steuern vielleicht auf die zweite Einbecker Ausbildungsmesse zu.
Besucher-Stimmen:
„ Ich habe hier interessante Berufe überhaupt erst kennen gelernt." (Julia aus Northeim)
„Sogar UNIs und Hochschulen haben über ihre Studienbedingungen informiert." (Sarah und Michael, Goethe-Schule)
„In der BBS Einbeck kann man ja ganz schön viel machen." (Alina, Geschwister-Scholl-Schule)
„Die Visitenkarte ist cool. Die haben uns auch `was zu ihrem Unterricht erzählt. Können wir das hier auch machen?" (Jan, Marco und Jannes, Leinetalschule Drüber)
„Das ist hier viel übersichtlicher als bei der Ideen-Expo. Und man wird verständlich angesprochen." (Johannes, Oberschule Bad Gandersheim)
„Nicht nur unsere Schüler waren begeistert. Auch ich habe viele Anregungen und sogar Info- und Unterrichtsmaterial mitnehmen können. Heute Nachmittag komme ich wieder, privat mit meinem Sohn." (Frau J., Lehrerin Oberschule Bad Gandersheim)
„Ich bin erstaunt, wie viele Ausbildungsmöglichkeiten es hier in der Region doch gibt." (Frau H., Lehrerin aus Dassel)
„Das hier draußen ist schon super, aber eins fehlt: die Feuerwehr. Da kann man doch auch einen Beruf machen." (Kevin, Fabian und Max, Wilhelm-Bendow-Schule)
Aufgeschnappte kritische Stimmen von Besuchern und Ausstellern:
„Vormittags wurden die Gruppen eher „durchgeschleust". Hier muss mehr Zeit für die Klassen zur Verfügung stehen."
„Am späten Nachmittag und abends kamen die Interessierten, zum Beispiel Eltern mit ihren Kindern. Einzelberatungen und Fachgespräche waren möglich."
„Die Fachvorträge waren nicht jugendgerecht."
„Die Müll-Entsorgung muss verantwortungsbewusster trainiert werden."
„Das Gewinn-Stempelspiel war viel zu umfangreich. Es verleitete zum Durchrasen, nicht zum echten Gespräch. Und dann war die Organisation noch schwach."
„Der Abend war zu lang. Viele kommen nicht nach Hause."
„Die haben uns keine Einstiegsinfos gegeben, sondern gleich gefragt, welche Fragen wir haben."
Und zum Schluss eine Meinung zum großen Superstar Marashi:
„Nur weil er sich cool dabei fühlt. Mister ME ist cool! Es kommt rüber, dass er Spaß mit seinen Songs hat. Außerdem singt er eigene Lieder. Und er kommt aus Einbeck."
(Mia und Viki, Goethe-Schule)
Fotos zur Messe finden Sie bei Youtube unter http://www.youtube.com/watch?v=kK1-eYC6grc .
Text: Katharina Ermoneit