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Karin Kern verlässt nach 33 Jahren ihre Schulfamilie

Verabschiedung in einem fröhlichen und einfühlsamen Rahmen

Mit einem von Anerkennung und Dank geprägten Beisammensein wurde Karin Kern aus dem Schuldienst verabschiedet. Alle waren ihrer persönlichen Einladung gefolgt, um in gemütlicher, kleiner Runde miteinander zu feiern und Erinnerungen auszutauschen, um zu singen und `Farbenfreude` zu verbreiten.

Da Karin Kern in Clausthal-Zellerfeld geboren wurde, begann Schulleiter Renatus Döring seine Ansprache mit Aussagen von Johann-Friedrich-Ludwig Hausmann über den `den Harz bewohnenden Menschenschlag` aus dem Jahr 1832, die nicht nur nachdenklich stimmten, sondern alle Gäste auch schmunzeln ließen. Ein bewegendes privates und ein bewegtes berufliches Leben führte Karin Kern 1989 an die Berufsbildenden Schulen Einbeck, an denen sie als über alle Maßen engagierte „Vollblutlehrerin", wie sie sich u.a. beschreibt, positive wie negative Zeiten kennen lernte. Döring erinnerte an das vielseitige und umfangreiche Schulleben von Karin Kern an den BBS Einbeck, stellte ihr großes uneigennütziges Engagement für die Schülerinnen und Schüler wie für die Schule insgesamt heraus und dankte insbesondere für ihre unzähligen Aktivitäten und ihre klare, konstruktive Kritik dort, wo diese erforderlich schien. Zudem griff Döring eine Metapher auf. Karin Kern sei wie eine Auster mit rauer Oberfläche, aber wenn sie sich öffnete, sehe man die Perle. Mitgebracht hatte Döring eines der Lieblingslieder von Karin Kern, „Leichtes Gepäck" von Silbermond, das alle hörten, bevor die Entlassungsurkunde feierlich überreicht wurde.

 

Als Diplom-Ökotrophologin erwarb Karin Kern am Studienseminar Hildesheim das Zweite Staatsexamen für Hauswirtschaft und Politik und trat 1989 die Planstelle in Einbeck an. Von Beginn an übernahm sie die Klassenleitungen in den Hauswirtschaftsklassen (H1 und H2) und hatte Schwerpunkte in Ernährungslehre, Wirtschaftslehre, Haushaltstechnologie und Politik. Fachkunde, Deutsch und Politik bei den Bäckerei- und Fleischereifachverkäuferinnen kamen dazu. Als Mitglied im Prüfungsausschuss „Fleischerei" lernte Karin Kern ein interessantes „Männer-Milieu" kennen. Für die Berufsfachschulen Sozialpflege und die Klasse 11 des damaligen Fachgymnasiums arbeitete sich Karin Kern in die Fächer Ernährungslehre, Chemie und Physik ein. Es folgte, um stets auf aktuellem Stand zu sein, die Einarbeitung in das Fach EDV. Neben ihrem berufsbezogenen Unterricht wurde Karin Kern immer mehr im Politikunterricht, zuletzt parallel in mehr als zehn Klassen mit insgesamt über 250 Schülerinnen und Schülern eingesetzt. Gern erinnert sie sich an das tolle Arbeiten in der Fachschule Sozialpädagogik, das sie als gelungenes Teamteaching bezeichnet dahingehend, dass sie den Schülerinnen und Schülern Fachwissen vermittelt habe und diese ihr deren vielseitige Methodenkompetenz.

Auch über ihren Unterricht hinaus ist Karin Kern aus dem Schulleben und der Schulentwicklung der BBS Einbeck nicht wegzudenken. Sie initiierte und begleitete viele Projekte. Sie war in die Organisation der Fachschule Haus- und Familienpflege maßgeblich eingebunden. Sie war SV-Beraterin, Mitglied im Schulvorstand, Zweitgutachterin für Lehramtsanwärterinnen und von 2006 bis 2011 Frauenbeauftragte und damit Mitarbeiterin im Personalrat. Sie war eingebunden in „ProReKo", dem niedersächsischen Schulversuch zur Reformierung berufsbildender Schulen. Diese gesamte Zeit erlebte Karin Kern als besonders befruchtende Zusammenarbeit in der Schule, bei der sie auch politische Verantwortung übernahm und viel Wertschätzung erfuhr. Außerdem war Karin Kern Mitglied in vielen Arbeitsgruppen und auch hier Mitgestalterin des Schullebens an den BBS Einbeck, beispielsweise bei der Erarbeitung von Zielvereinbarungsgesprächen, bei der Erstellung einer Festzeitschrift für die 175-Jahr-Feier. Sie engagierte sich im Schüler-Coaching und war Mitglied im Mensateam, gestaltete und veröffentlichte die Speisepläne für das Schulrestaurant. Um stets auf aktuellem Stand zu sein und fachlich mitreden zu können, besuchte Karin Kern darüber hinaus verschiedenste Fortbildungen, u.a. zu den jeweils neuen Rahmenrichtlinien in Hauswirtschaft oder Politik und zur neuen BBS-Verordnung, zu Coolness-Training für gewaltbereite Jugendliche, zu Rechtsextremismus oder zur Verbesserung beruflicher Perspektiven von Hauptschülern.

Nun verließ Karin Kern nach fast 33 Jahren ihre Schulfamilie mit der persönlichen Randbemerkung, dass sie ihre eigene Festplatte überschrieben, nicht aber gelöscht habe. Schließlich berge diese weit über 50 Jahre mit großen Amplituden. Kathrin Düvel, Leiterin der Abteilung Sozialpädagogik - Pflege - Hauswirtschaft, und Kornelia Brinkmann-Freiherr überreichten als Erinnerung und Dank für viele schöne Begegnungen und wertvolle Gespräche einen `Korb der Farben`, in dem sich viele Kleinigkeiten versteckten, die Karins Interesse an der Pastellmalerei unterstützen würden. Als weitere Erinnerung gestalteten alle Kolleginnen und Kollegen während des Nachmittags spontan ein gemeinschaftliches Bild - mit Farben, Pinseln, Fingern. Katharina Ermoneit führte mit Gedanken zum Thema „Farbenfreude" in die Aktion ein und verwies auf Paul Cézanne, der u.a. gesagt habe, dass er an nichts denke, wenn er male, er sehe Farben. Sie griff abschließend für die Bildgestaltung und den gemeinsamen Nachmittag Karin Kerns Motto auf: „Miteinander ist alles leichter!" Zwei Liedbeiträge unter der Leitung von Gudrun Machens mit selbst gedichtetem Text rundeten die Feier ab.

In ihren Abschlussworten war es Karin Kern ein besonderes Anliegen deutlich zu machen, wie wichtig ihr diese Feier sei, um das eigene Schulbuch schließen zu können. Ihr Leben sei nun leichter und bunter geworden und mit viel Mut und lieben Menschen aus der Schulfamilie werde sie ihren neuen Weg gehen. Sie zeigte sich ergriffen von den farbenfrohen Stunden des Abschiednehmens, dankte den wichtigen Wegbegleitern Renatus Döring, Kathrin Düvel und Britta Grastorf, überreichte allen ihren Gästen eine persönlich gestaltete Erinnerungsmappe und schloss mit den Worten Theodor Fontanes: „Leicht zu leben ohne Leichtsinn, heiter zu sein ohne Ausgelassenheit, Mut zu haben ohne Übermut...Das ist die Kunst des Lebens."

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